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Der Hausfreund

FBP_der-Hausfreund_1976_5206-3_webFriedrich Berzeviczy-Pallavicini, Der Hausfreund, Originalentwurf zu: Die k.k. Hofzuckerbäckerei Demel, Tusche auf Karton, 1976. Foto: Gregorius Grey, Kunstsammlung und Archiv, Universität für angewandte Kunst Wien

 

 

Eine Wiederentdeckung des exzentrischen Werks von

Friedrich von Berzeviczy-Pallavicini

im Dialog mit Arbeiten von

Kamilla Bischof

Josef Frank

Julian Göthe

Elisabeth Karlinsky

Ulrike Müller

Oswald Oberhuber

Dagobert Peche

Marianne My Ullmann

Amelie von Wulffen & Nico Ihlein

Laura Welker

Eduard Wimmer-Wisgrill

Min Yoon

 

Kuratiert von Cosima Rainer und Robert Müller

 

Ausstellungseröffnung:
30. April 2019 um 18:00 Uhr
 
Ausstellungsdauer:
02. Mai 2019 - 01. Juni 2019
 
Universitätsgalerie im Heiligenkreuzer Hof
Grashofgasse 3 oder Schönlaterngasse 5, 1010 Wien
Öffnungszeiten: Mi - Sa 14:00 - 18:00 Uhr
 
 

Ausgehend von einem umfangreichen Bestand in der Sammlung der Universität für angewandte Kunst Wien präsentiert die Ausstellung den Künstler Friedrich von Berzeviczy-Pallavicini (1909-1989), einst eine schillernde Figur im Umfeld der Wiener Kunstgewerbeschule, als eine zeitgenössisch hochaktuelle Wiederentdeckung. Im Kontrast zur disziplinierten Ästhetik der Wiener Werkstätte hinterließ Berzeviczy-Pallavicini Werke mit einer manierierten und eigenwilligen Formensprache, die bisher kaum gezeigt wurden. Im Dialog mit Werken zeitgenössischer internationaler Künstler_innen, sowie mit historisch verwandten Positionen werden in der Ausstellung „Der Hausfreund“ wichtige Motive seiner Produktion aufgegriffen, gespiegelt und neu interpretiert.

Die Ausstellung wird in kuratorischer Zusammenarbeit mit dem Künstler Robert Müller (Berlin/Wien) entwickelt und in zwei unterschiedliche Versionen, zunächst in Wien und darauf im September im Österreichischen Kulturforum Berlin, gezeigt.

Der Titel der Ausstellung „Der Hausfreund“ ist mehrdeutig gemeint. Es bezeichnet sowohl eine Mehlspeise, die Berzeviczy-Pallavicini für die Konditorei Demel als Figur gezeichnet hat, wie auch seine Liebe zur exzentrischen Wohnraumgestaltung. Er bezeichnet aber auch seine besondere Beziehung zur Wiener Kunstgewerbeschule, in der er während seines Studiums und in Zeiten finanzieller Not immer Unterschlupf fand, gleichsam wie eine „Hauskatze“.

 

Berzeviczy-Pallavicini studierte in den 1920er-Jahren an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Eduard Wimmer-Wisgrill. Die Einflüsse der modernen Raumkunst und der Wiener Werkstätte, insbesondere der exzeptionelle Ansatz Dagobert Peches, spiegelten sich in seinen Arbeiten wider. Nicht zuletzt durch die Unterstützung Josef Hoffmanns bewegte er sich bald als Gestalter und Designer im Kultur- und Luxussegment seiner Zeit. Nach seiner Emigration aus Österreich war er unter anderem für die Gestaltung der Magazine Aria d’Italia (mit Daria Guernati) und Flair (mit Fleur Cowles) verantwortlich. In New York arbeitete er zudem für Elizabeth Arden und Helena Rubinstein als Dekorateur, Innenarchitekt und künstlerischer Berater und gestaltete deren Geschäftslokale und Wohnungen. Seine Auslagengestaltungen, Verpackungen und Dekorationen für die K.u.K. Hofzuckerbäckerei Demel in Wien waren legendär und wurden in den 1960er Jahren als „Theater für die Straße“ bezeichnet. Mit seinen spielerischen und exzentrischen Bild- und Formgestaltungen wirkte er im Spannungsfeld zwischen angewandter und bildender Kunst und war wegweisend für grafische sowie auch künstlerische Verfahren, die eine ausschweifende Entfaltung der Formen betrieb. Durch die Kombination einer klaren Gestaltungssprache mit einem exotischen, zwischen Rokoko und Art Deco oszillierendem Vokabular zelebrierte Berzeviczy-Pallavicini burleske Grenzüberschreitungen zwischen Tradition und Moderne. Er steht damit repräsentativ für eine „andere Moderne“ oder Anti-Moderne, die sich auch in Arbeiten etwa Florine Stettheimers, Cecil Beatons oder des frühen Andy Warhol spiegelt, und die schon im Wien der Jahrhundertwende im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Ornament und Askese bzw. „richtiger Form“ Gegenstand der gestalterischen Diskussion war.