Biografie

Oskar Kokoschka  - Lebensdaten

 

1886-1909

Geboren am 1. März 1886 in Pöchlarn an der Donau;  erlebt Kindheit und Jugend in bescheidenen Verhältnissen in Wien. Vater Gustav, gelernter Goldschmied aus Prag, arbeitet als Handelsreisender, Mutter Romana, Förstertochter aus Niederösterreich. Geschwister: Berta (*1889), Bohuslav (*1892). 1895 Staatsgewerbeschule, 1904 Matura. 1905-1909 Kunstgewerbeschule (heute Universität für angewandte Kunst) in Wien, Lehrer sind Anton von Kenner, Carl Otto Czeschka und Bertold Löffler.

 

1907 parallel zum Studium Tätigkeit für die Wiener Werkstätte, Entwurf von Postkarten und Plakaten sowie das Märchenbuch "Die träumenden Knaben" (Text und Farblithographien). An der Kunstgewerbeschule Aktzeichnungen nach bewegten Modellen. Ausstellungsdebut im Rahmen der "Kunstschau" von 1908, er erntet überwiegend hämische Kritik. Bekanntschaft mit dem Architekten Adolf Loos, der ihn jahrelang nachdrücklich fördert; Einführung in den Kreis um Karl Kraus, dem Ehepaar Schwarzwald, und weiteren Vertretern der Wiener Avantgarde. Die Aufführung seines Dramas "Mörder Hoffnung der Frauen" im Gartentheater der Kunstschau endet mit einem Skandal. Abgang von der Kunstgewerbeschule.

 

1910/1911

Reise mit Loos in die Schweiz,  porträtiert Patienten eines Lungensanatoriums. Aufenthalt in Berlin, zahlreiche grafische Beiträge für die Zeitschrift "Der Sturm". In der Frühjahrsausstellung des Wiener Hagenbundes 1911 erntet er heftige Ablehnung, aber auch Anerkennung. Arbeitet als Zeichenlehrer an der privaten Mädchenschule von Eugenie Schwarzwald, im Jahr darauf erzwingt die Schulbehörde seine Entlassung.

 

1912/1913

Beginn der Beziehung zu Alma Mahler, Witwe des Komponisten Gustav Mahler, ihre Liebe wird zum Thema seiner Kunst (Ölbilder, Zeichnungen). Kokoschka wird für ein Jahr Assistent an der Kunstgewerbeschule. Italienreise mit Alma.

 

1914/1915

Nach Kriegsausbruch freiwillige Meldung zum Militär; im Frühjahr 1915 Trennung von Alma. Ab Mitte Juni Kriegseinsatz als Kavallerist an der Ostfront in Galizien, Ende August schwere Verletzungen durch Kopfschuß und Lungenstich. Nach Feldlazarett in Brünn Verlegung in ein Wiener Spital.

 

1916/1917

Im Juni Frontdienst als Verbindungsoffizier an der Isonzofront und als Kriegsmaler,  neuerliche Verletzung. Reise nach Berlin, Vertrag mit dem Berliner Galeristen Paul Cassirer, gegen Jahresende Genesungsaufenthalt im Sanatorium Weißer Hirsch in Dresden. Uraufführung der Dramen "Hiob" und "Mörder Hoffnung der Frauen" sowie "Der brennende Dornbusch" im Albert-Theater in Dresden. Reise nach Schweden.

 

1918

Paul Westheim schreibt die erste Kokoschka-Monographie.

 

1919-1922

Kokoschka erhält eine Professur an der Akademie für Bildende Künste in Dresden. Reichhaltige künstlerische Tätigkeit, 1922 Teilnahme an der Biennale in Venedig.

 

1923/1924

Ersucht um Freistellung von der Lehrtätigkeit an der Akademie;  1923 in Wien Tod des Vaters. Reisen nach Italien und Paris. Vertrag mit Cassirer sichert ihm ein Einkommen für die nächsten Jahre.

 

1924-Anfang 30er-Jahre

Ausgedehnte Reisen nach Portugal, Spanien, Niederlande, London, Frankreich, den Nahen Osten und Nordafrika. Zahlreiche Landschafts- und Städtebilder.

 

1934-1936

Die politischen Ereignisse in Wien und der Tod der Mutter veranlassen Kokoschkas Übersiedlung nach Prag, wo er Olda Palkovská, seine spätere Frau, kennenlernt. Er porträtiert Staatspräsident Thomas Masaryk und malt Ansichten von Prag. 1935 erhält er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. In Vorträgen und Essays bezieht er Position gegen die Nationalsozialisten.

 

1937/1938/1939-1946

Aus deutschen Museen werden von den Nationalsozialisten etwa 500 Werke Kokoschkas beschlagnahmt. In Wien findet eine große Retrospektive statt, in München werden seine Werke in der Ausstellung Entartete Kunst gezeigt. Im Oktober 1938 Flucht mit Olda aus Prag nach London. In der Emigration zunächst schwierige wirtschaftliche Verhältnisse,  dort Mitbegründer des "Freien Deutschen Kulturbundes". Aufenthalte in Cornwall und Schottland. 1941 Heirat mit Olda. In seinen Werken prangert Kokoschka nicht nur Hitlers Eroberungswahn an, sondern kritisiert auch die Alliierten. Humanitäre Engagements, u.a. Plakat "Christus neigt sich zu den hungernden Kindern".

 

1947/1948

Ehepaar Kokoschka  erhält 1947 britische Staatsbürgerschaft. In den Jahren nach dem Krieg zahlreiche Ausstellungen in ganz Europa, 1948 Beteiligung an der Biennale in Venedig. 1948 Besuch in Wien, zögerliche Versuche der Politik, Kokoschka zurückzuholen.

 

1949/1950/1951/1952

Ausstellung in New York und Washington, leitet einen Sommerkurs in Boston. Malt in London das Prometheus-Triptychon. 1952 Gastdozent an der Minneapolis School of Art.

 

1953

In Salzburg unter Kokoschkas Leitung (bis 1963) Internationale Sommerakademie "Schule des Sehens". Neuer Wohnsitz im eigenen Haus in Villeneuve am Genfer See.

 

Ab 1954

Triptychon "Die Thermopylen" für die Hamburger Universität, 1955 Bühnenbild zur "Zauberflöte" in Salzburg. 1956 zahlreiche Ausstellungen zum 70. Geburtstag, Gemälde-Werkverzeichnis von Hans Maria Wingler. 1958  Große Kokoschka-Ausstellung im Künstlerhaus in Wien.

 

1960 Erasmus-Preis zusammen mit Marc Chagall. Zahlreiche Zeichnungen von Griechenland- (1961) und Italienreise (1963). Porträtiert 1966 Konrad Adenauer. 1966 und in den folgenden Jahren zahlreiche Ausstellungen zum 80. Geburtstag. Reise nach Amerika. 1971 Autobiografie "Mein Leben". 1973 Israel-Reise mit Porträt-Lithografien, darunter Teddy Kollek und Golda Meir. Bruno Kreisky verleiht Kokoschka 1974 Kokoschka die österreichische Staatsbürgerschaft. 1975 Werkverzeichnis für Druckgrafik (Wingler/Welz).

 

1980

Kokoschka stirbt am 22. Februar im Alter von 94 Jahren in Montreux.

 

Erstellt von: Mag. Gertrud Held

Biografie
Oskar Kokoschka als Kriegsfreiwilliger, 1915Oskar Kokoschka als Kriegsfreiwilliger, 1915

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oskar Kokoschka mit Olda am Strand in Schottland, 1943Oskar Kokoschka mit Olda am Strand in Schottland, 1943

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oskar Kokoschka mit Studierenden seiner "Schule des Sehens", Salzburg 1962Oskar Kokoschka mit Studierenden seiner "Schule des Sehens", Salzburg 1962