Rückblick 2017

Bericht des Institutsleiters:

 

Das Berichtsjahr 2017 war das Jubiläumsjahr der Angewandten, in dem sie ihr 150jähriges Bestehen seit der Gründung 1867 feierte. Eine 480seitige Publikation mit Beiträgen von 40 AutorInnen und Kurzdarstellungen aller Abteilungen wurde in vielfältiger Weise von Kunstsammlung und Archiv unterstützt bzw. erarbeitet. In dem Band finden auch die langjährigen Recherchen des Universitätsarchivs (S. Herkt) zur eigenen Geschichte ihren Niederschlag. Das zweite Hauptprojekt war die Jubiläumsausstellung im MAK (Dezember 2017 - April 2018), wobei drei Viertel der Exponate aus unserer eigenen Sammlung kamen. Die Ausstellung war die bisher umfangreichste Präsentation von Beständen der Angewandten. Erstmals konnten wir zahlreiche Highlights daraus in einem großzügigen Querschnitt durch die 150 Jahre zeigen. Kuratiert wurde der historische Teil der Ausstellung durch E. Schmuttermeier (MAK) und P. Werkner, hervorragend unterstützt durch M. Dorner-Bauer. Den zukunftsthematischen Teil der Ausstellung kuratierten Rektor G. Bast und P. Weibel.

 

2017 erschien der prachtvoll illustrierte Band „Fashion“ über unsere Kostüm- und Modesammlung unter der Federführung von E. Frottier. Es konnte auch das zweijährige Forschungsprojekt von K. Ferihumer zur Grafikklasse in der NS-Zeit abgeschlossen werden. Das „Bild der Woche“ für den Facebook-Auftritt der Angewandten wurde weiterhin von B. Reinhold ausgewählt und gestaltet, ebenso wie sie die Kooperation mit der Kokoschka-Dokumentation in Pöchlarn weiterführte und ein M. Schütte-Lihotzky-Symposion vorbereitete. Als Kooperation zwischen Angewandter, MAK und Universität Wien fand im MAK ein internationales Symposion über Rudolf von Eitelberger statt, den Initiator der Kunstgewerbeschule (E. Kernbauer und P. Werkner, Publikation in Vorbereitung).

 

Die Victor J. Papanek Foundation hielt in Zusammenarbeit mit der österreichischen Botschaft in London das Papanek Symposium 2017 unter internationaler Beteiligung ab. Eine weitere Kooperation gab es mit dem University of Brighton Center for Design History. Herzlichen Glückwunsch an Alison J. Clarke, der von der University of Southern Denmark, Odense, ein Ehrendoktorat verliehen wurde!

 

Da ich mit Ende des Wintersemesters 2017/18 in den sogenannten Ruhestand übertrete, ist dieser Jahresbericht zugleich der letzte, den ich als Institutsleiter verantworte. Am 1. 12. 2004 betraute mich Rektor Gerald Bast mit der Leitung der Sammlung, wie damals noch die Bezeichnung lautete. In den 13 Jahren seither hat sich unsere Abteilung stark verändert. Zuvor der Verwaltung zugeordnet, wurde sie durch die Universitätsleitung 2010 den Universitätsinstituten gleichgestellt. Zugleich erhielt das in „Kunstsammlung und Archiv“ umbenannte Institut seine bis heute gültige Struktur, bestehend aus Universitätsarchiv, Kunst- und Designsammlung, Oskar Kokoschka-Zentrum, Kostüm- und Modesammlung sowie Victor J. Papanek Foundation.

 

Zwischen 2004 und 2017 wurden jährlich Hunderte Leihgaben für österreichische und internationale Ausstellungen aus dem Sammlungsbestand zur Verfügung gestellt, was nicht zuletzt  Öffentlichkeitsarbeit für die Angewandte, für ihre Studierenden und Lehrenden, bedeutete. Gemäß dem Mission Statement unseres Instituts werden v. a. die Lehrenden und Studierenden der Angewandten dokumentiert, gesammelt und veröffentlicht. Eine Reihe eigener Ausstellungen wurde im Heiligenkreuzerhof oder in Kooperation mit großen Museen - Belvedere, Leopold Museum, MAK - realisiert. Tausende externer Forschungsprojekte wurden in diesem Zeitraum an unseren Standorten in der Postgasse und der Dominikanerbastei von unserem Team betreut. 2009 bis 2012 wurde mit einem Provenienz-Forschungsprojekt unser Bestand auf seine Herkunft durchleuchtet. Weitere eigene Forschungsprojekte waren u. a. dem Thema der „Deakzession“ gewidmet und der Rolle unserer Institution in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Bestände wurden und werden laufend online bzw. auf unserer lokalen Datenbank verfügbar gemacht.

 

Neben der online-Präsenz ist nach wie vor das Medium des Buches unverzichtbar für die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. In einer 2007 neu begründeten Buchreihe werden unsere Sammlungsbestände in einer Art „Best of“ gezeigt. In zügiger Folge erschienen Publikationen über das Grafikdesign, das von der Angewandten seinen Ausgang nahm (2009), über unseren Kokoschka-Fotonachlass (2013) und über die Kostüm- und Modesammlung (2017), stets mit Teams wechselnder HerausgeberInnen und AutorInnen. Außerhalb der Reihe erschienen der Ausstellungsband zur Kinetismus-Ausstellung im Belvedere (2011) und 2017 die genannte Jubiläumspublikation der Angewandten. Alle Veröffentlichungen folgen anspruchsvollen grafischen Konzepten von Anita Kern, wodurch wir gleich 2009 die Auszeichnung für eines der „Schönsten Bücher Österreichs“ erhielten.

 

Lange Zeit waren unsere Bestände in provisorischen Depots gelagert. Zu den wichtigsten Entwicklungen unseres Instituts zählt daher die Anmietung eines großzügigen Depots in Wien-Simmering durch die Universitätsleitung im Jahr 2014. Dadurch wurden die adäquate Lagerung unserer mittlerweile auf rund 65.000 Objekte angewachsenen Bestände und professionelles Handling beim Leihverkehr möglich.

 

All diese Entwicklungen waren nur dank eines sehr engagierten Teams, mit häufiger Verstärkung durch externe MitarbeiterInnen, u. a. VolontärInnen, möglich. Die einzelnen Tätigkeitsberichte seit 2005, veröffentlicht auf unserer Webseite, geben darüber Aufschluss. Alle MitarbeiterInnen hatten die Chance auf Weiterbildung, die von der Universitäts- und Institutsleitung gefördert wurde; sie haben diese in unterschiedlicher Weise auch genutzt und sich profiliert. Unsere MitarbeiterInnen sind nicht nur in der Lehre tätig, sondern bilden auch aus: mehrere Lehrlinge haben auf diese Weise die Ausbildung zur Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistentin erfolgreich an der Angewandten abgeschlossen.

 

Persönlich empfinde ich es als ein besonderes Privileg, dass ich in diesem Zeitraum Lehrtätigkeit und Veröffentlichungen immer wieder in Verbindung mit den uns anvertrauten Beständen bringen konnte. Unser Institut bietet das Beste von zwei Welten, die in der akademischen Praxis oft getrennt sind: für und mit Studierenden und KollegInnen der Kunstgeschichte zu arbeiten und dies aus der lebendigen Verbindung mit dem „Forschungsgegenstand“ heraus, also den Sammlungsobjekten, zu tun. Die Sammlung durch Erwerbungen zu erweitern und auszubauen, z. T. sogar durch Aufträge (Architekturmodelle u. a.), gehört zu den Besonderheiten der Angewandten. Wenn auch mit geringem Budget, so war doch eine kontinuierliche Ankaufstätigkeit möglich. Dass mein letztes aktives Semester noch mit der Jubiläumspublikation und der Jubiläumsausstellung im MAK zusammenfiel, war für mich ein Glücksfall! Von den rund 300 Exponaten aus Sammlungsbestand, die im MAK (von insgesamt 400) gezeigt wurden, waren 20% Erwerbungen seit 2005.

 

Zahlreichen Personen bin ich dankbar für die erfolgreiche Zusammenarbeit bei den unterschiedlichsten Projekten und für eine Zeit voller persönlicher Inspiration: unserem Rektor und der Universitätsleitung, dem Team von Kunstsammlung und Archiv, den KollegInnen der Abteilung Kunstgeschichte, unseren Studierenden, vielen Künstlerinnen und Künstlern sowie vielen KollegInnen im Haus und außerhalb der Angewandten. Großer Dank an alle!

 

Ich wünsche dem Institut „Kunstsammlung und Archiv“ und seinen MitarbeiterInnen unter der künftigen Leitung eine erfreuliche Zukunft!                                      

 

Patrick Werkner

Rückblick 2017
Aesthetik der Veraenderung Cover 2017
Ang_150_JahreAusst_opening_020Eröffnung Jubiläumsausstellung im MAK, 14.12.2017, Foto: Peter Kainz
Ang_150_JahreAusst_opening_121Eröffnung Jubiläumsausstellung im MAK, 14.12.2017, Foto: Peter Kainz

 

 

 

 

 

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Ang_150_JahreAusst_opening_032Patrick Werkner bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellung im MAK, 14.12.2017, Foto: Peter Kainz